Freundschaft

Eine bekannte Internetseite sagt: „Freundschaft bezeichnet ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander, das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet. […] Freundschaften haben eine herausragende Bedeutung für Menschen und Gesellschaften.

Ähnlich nüchtern würde ich die eine oder andere Freundschaft gerade betrachten. Wenn das Vertrauen schwindet und die Zuneigung sich in ein Gefühl ändert, das mit Sympathie nicht mehr viel gemeinsam hat – dann wird es Zeit, die eigenen Freundschaften einmal zu reflektieren.

Ich selbst halte mich momentan nicht unbedingt für eine gute Freundin. So viel zur ersten Selbstreflexion. Ich bin sehr auf mich selbst konzentriert. Meine eigenen Probleme und Sorgen. Ich frage selten, wie es meinen Mitmenschen geht. Ich bin grundsätzlich ein ganz schlechter Smaltalker. Ich vergesse Geburtstage. Chronisch! Auch mit Geburtstagskalender an der Wand.
Ich bin auch nicht gut darin, mich bei anderen Menschen regelmäßig zu melden. Meistens fehlt es an Zeit. Manchmal auch an Motivation. Und wenn ich dann mal Zeit habe, dann habe ich gerne echte Begegnungen. Dann frage ich auch vorher nicht, wie es dem anderen geht. Denn darüber möchte ich sprechen. Stundenlang. Bei einer Menge Wein. Oder Bier.
Vielleicht pflege ich meine Freundschaften auch nicht gut genug. Die Zeit der endlosen wilden Partys ist irgendwie langsam vorbei. Mit der feiernden Jugend kann und will ich nicht mehr Schritt halten. Darunter leiden Freundschaften. Glaubt ihr nicht? Doch klar. Denn wenn man mittendrin statt nur dabei sein will, dann muss gefeiert werden. Hast du keinen Spaß – bist du raus. Benimmst du dich zurückhaltender – bist du raus. Eine gute Freundschaft führt man dann, wenn man möglichst viel Spaß zusammen hat. Nein? Für manche scheint das aber offenbar die Definition von Freundschaft zu sein.
Ich falle auch optisch immer mal aus dem Rahmen. Nicht jeder Modetrend ist nach meinem Geschmack. Jede Woche zum Friseur rennen und blonde Strähnchen färben lassen? Nägel machen lassen? Falsche Wimpern ankleben? Jederzeit top gestylt, top Figur, top was-weiß-ich-alles? Brauche ich nicht. Und zack – bist du raus!

Ihr seht schon – es hakt an allen Enden. Ich bin nicht ganz kompatibel, sagt meine Selbstreflexion. Offenbar bin ich anders. Vielleicht ist das der Grund, aus dem ich schon lange keine ganz enge Freundschaft mehr habe. Vielleicht habe ich auch nur die falschen Freunde. Vielleicht habe ich Freunde, die nicht zu mir passen.
Noch vor ein paar Wochen dachte ich, dass ich einige Freunde um mich herum habe. Enge Freunde, die ich mehrmals pro Woche sehe. Mit denen ich eine Menge Erinnerungen teile. Die für mich da sind, wenn ich sie brauche. Jederzeit. Und Freunde ,die ich wesentlich seltener sehe. Von denen ich nie erwarten würde, dass sie jederzeit für mich da sind.
Die letzten Monate haben mich eines Besseren belehrt. Meine Welt auf den Kopf gestellt. Meine Freundschaften neu sortiert.

Was ich selbst an einer Freundschaft schätze?

Allem voran, dass man bedingungslos für einander da ist. Und sich auf den anderen verlassen kann.

Wenn man sich gegenseitig keine Vorwürfe macht. Und trotzdem offen über alles sprechen kann.

Umarmungen. Liebevolle Gesten. Worte der Zuneigung. Und ein Lächeln, das mehr sagt als 1000 Worte.

Wenn man sich nach Monaten wieder sieht – und es fühlt sich an, als wäre der letzte Abschied erst einen Tag her.

In einer Sache können sich meine Freunde immer sicher sein: Wenn es brennt, bin ich da! Egal zu welcher Uhrzeit. Oder in welcher Situation ich gerade bin. Wenn man mir sagt, dass man mich braucht, dann bin ich da. Bei manchen Menschen ist genau das aber wohl eine zu hohe Erwartung. Für jemanden da sein, wenn es demjenigen schlecht geht? Woher die Zeit nehmen? Neben Job und Hobbys will man doch auch noch ein bisschen Privatleben haben…

Andere sind plötzlich da. Schreiben lange Nachrichten.
Finden die richtigen Worte. Hart und klar.
Geben dir das Gefühl, nicht alleine zu sein.

…Und dann für jemanden da sein, der selbst noch nie für einen da war? Warum sollte man? Ist doch ziemlich egoistisch, plötzlich Hilfe erwarten zu wollen, wo man nie eine Hilfe war. Und ganz ehrlich? Probleme kann man doch nur alleine lösen. Warum sollte man davon jemandem erzählen?…

Andere lassen Frau und Kind zuhause warten.
Setzen sich mit dir aufs Sofa – und hören einfach zu.
Vollkommen unerwartet. Bei einem Bier.

…Man kann lange versuchen alles mit sich selbst auszumachen. Das geht eine Weile gut. Doch irgendwann braucht man jemanden. Irgendwann braucht man Freunde. Wenn das Loch zu groß ist. Man alleine nicht mehr heraus kommt. Doch wenn du dich überwindest. Auf deine Freunde zu gehst. Offen sagst, dass du sie brauchst. Offen sagst, wie schlecht es dir geht. Dann kannst du Hilfe bekommen. Oder auf eine Flut an Unverständnis treffen…

Andere nehmen dich in den Arm. Vergessen alte Diskussionen.
Geben dir auch nach Wochen des Schweigens das Gefühl,
dass du nicht alleine bist. Fragen nach. Sind einfach da.

…Da werden Formulierungen wie „Ich fühle mich einsam.“ oder „Ich habe das Gefühl, nirgends dazu zu gehören.“ offenbar als Mimimi abgestempelt. Und ein „Ich brauche wirklich eure Hilfe…“ ist wohl nur eine Standard-Formulierung. Vielleicht will sie sich ja nur interessant machen. Mit einem „…ich kann nicht mehr…“ drückt man halt auch mal schnell ordentlich auf die Tränendrüse. Was heult sie denn rum? Hat sie uns mal gefragt, wie es uns geht? Nein! Hat sie an meinen Geburtstag gedacht? Nein! Hat sie mich persönlich angeschrieben. Nein! Habe ich sie in den letzten Wochen überhaupt gesehen? Nein!…

Andere sehen dich nach vier Jahren an.
Und schaffen mit wenigen Worten etwas Großartiges.
Für dich würde ich alles tun.

…Und anstatt der gewünschten und bitter nötigen Hilfe erfährt man Distanz. Zurückweisung. Kälte. Das Gefühl, als Freundin versagt zu haben. Mit dem Ergebnis, noch viel mehr allein zu sein, als vorher. Und das obwohl man „einsam“ grammatikalisch gar nicht steigern kann.

Andere nehmen plötzlich eine ganz neue Rolle ein.

Übertrieben?

Nein.

Wahr! Das Schlechte – und glücklicherweise auch das Gute.

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Happier

Ed Sheeran hat es mal wieder geschafft. „I was happier with you“

Es stimmt. Mit dir war ich irgendwie glücklich. Einige Wochen lang. Denn du warst da. Jeden Tag. Stundenlang. Und auch wenn zwischen uns teilweise mehrere Hundert Kilometer lagen – ich war nicht alleine. So kamen mir sechs Wochen Sommerferien vor wie sechs Monate. So wurden Nächte zum Tag. So wurden abwegige Gedanken zur Normalität.

Und jetzt? Man gewöhnt sich an Vieles. Es geht langsam voran. Tag für Tag.

„Ain’t nobody hurt you like I hurt you“

Wer kennt dieses Gefühl nicht, das Ed Sheeran da besingt? Das Gefühl, wenn man jemanden verloren hat. Wenn man jemanden verletzt hat. Vielleicht betrogen. Oder enttäuscht. Wenn der andere unerreichbar ist. Wenn Schweigen herrscht. Eine erdrückende Stille. Wenn man sich aus dem Weg geht. Kontakt meidet. Wenn es keinen Weg zurück gibt.

„I’ll smile to hide the truth“

Man lächelt. Stürzt sich in Arbeit. In Partys. In Alkohol. In Sport. In Schokolade.

Und dann sieht man denjenigen plötzlich. Mit einem anderen Menschen. Glücklich. Glücklicher als zuvor.

Bist du das? Glücklicher? Und was bin ich? Unglücklich wäre das falsche Wort.

„But I know I was happier with you“

P.S. Streng genommen war es ja die Version von Miss Wannabe – nicht der Ed.

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99 Luftballons

Ein Meer an bunten Punkten steigt in den Himmel auf. Einer nach dem anderen. Nach und nach. In den schillerndsten Farben. 99 Luftballons.

Gefüllt mit wundervollen Worten. Kleinen Gesten. Mit Erinnerungen. Gefüllt mit Momenten, in denen dein Herz klopfte. Augenblicke, in denen dir Tränen des Glücks über das Gesicht liefen. Gefüllt mit schlaflosen Nächten. Mit dem leisen Pling deines Handys. Mit Fotos. Fotos, die du wieder und wieder betrachtet hast. Gefüllt mit Gedanken. Mit Sehnsucht. Hoffnung. Und mit dem berauschenden Gefühl des Glücks.

Du siehst all das in den Himmel steigen. Ein wahnsinnig tolles Bild. Atemberaubend. Wunderschön. Ein Gefühl der Unendlichkeit. Du siehst in den Himmel und atmest tief ein. Wieder und wieder. Beruhigt vom Anblick dieser bunten Punkte. Mit einem Lächeln im Gesicht.

Da zuckt ein Blitz über den Himmel. Regen fällt. Es stürmt. Und sie zerplatzen im Sturm. All die Worte. All die Gefühle. All die Erinnerungen. 99 Luftballons. Nach und nach. Einer nach dem anderen.

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Warum es ein Geschenk ist, jemanden zu vermissen.

„Ich vermisse dich.“

Diese Worte klingt immer nach einem Hauch Verzweiflung. Traurigkeit. Jemand ist nicht mehr da. Er ist weg. Woanders. Vielleicht für immer. Vielleicht nur für eine Stunde. Man vermisst diese Person. Und ich glaube, die ersten Assoziationen sind immer Schmerz und Verlust. Oder? Aber kann Vermissen nicht auch etwas positives sein? Ich hab das auch lange nicht so gesehen. Bis mir jemand die Augen geöffnet hat. Mir gesagt hat, dass Vermissen ein Privileg sein kann.

„Ich vermisse dich.“

Das heißt doch eigentlich, jemand bedeutet mir etwas. Jemand ist für mich so wichtig, dass es ein bisschen schwierig ist, wenn er nicht da ist. Dass es schmerzt, wenn er nicht da ist. Und dass man eigentlich möchte, derjenige ist bei einem. Sollte genau das nicht ein gutes Gefühl sein? Sollte es nicht wahnsinnig toll sein, aus tiefem Herzen zu sagen…

„…du bist mir so wichtig – ich vermisse dich!“

Ist es nicht schlimmer, jemanden nicht zu vermissen? Denn was bedeutet es umgekehrt, jemanden nicht zu vermissen? Das hieße doch dann, die Person bedeutet einem nichts. Es fällt nicht auf, wenn die Person weg ist. Ist das nicht eigentlich das traurige Gefühl? Sollte uns das nicht viel mehr Sorgen machen? Denkt mal drüber nach…wenn ihr euch das nächste Mal denkt…

„…ich vermisse dich!“

 

P.S. Ich danke dir von Herzen für diesen Blick auf das so besondere Gefühl des Vermissens!

 

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Der Mut

Ja. Wow! Ein großes Wort. Wer von uns bildet sich nicht ein, immer mutig zu sein? Offen durchs Leben zu gehen? Alles so anzunehmen, wie es ist und wie es kommt? Aber mal Hände hoch! Wer ist es wirklich? Wer ist mutig? Wer ist mutig genug, alles anzunehmen, was das Leben bietet? Jedes Geschenk zu öffnen? Jede Chance zu nutzen? Jede Möglichkeit zu testen? Jede nette Botschaft auch als nette Botschaft aufzufassen? Ohne Zweifel. Ohne darüber nachzudenken, welche Konsequenzen es haben könnte. Einfach mutig vorauszugehen. Zu sagen, was man denkt. Zu tun, was man tun möchte. Zu fühlen, wie man fühlt.

Es ist gar nicht so leicht, diesen Mut immer aufzubringen. Im Miteinander mit anderen Menschen. Vor allem wenn Gefühle im Spiel sind. Oder wenn man nicht weiß, ob Gefühle im Spiel sind. Oder wenn man selber weiß, es sind Gefühle im Spiel, aber man weiß nicht ob für den anderen Gefühle im Spiel sind.

Manchmal verhalten wir uns, als hätten wir alle Zeit der Welt. Ein zweites Leben. Als müssten wir uns heute nicht entscheiden. Als könnten wir uns auch morgen entscheiden. Morgen. Morgen… Denn es könnte falsch sein. Es könnte furchtbar werde. Etwas zerbrechen. Es gibt jederzeit so viel zu verlieren. So viel, das man aufs Spiel setzen könnte. Und dabei setzen wir doch eigentlich erst alles aufs Spiel, wenn wir nicht den Mut haben.

„Liebe wird aus Mut gemacht.“

Das Leben schenkt dir manchmal Begegnungen. Augenblicke. Menschen. Die dein Leben auf den Kopf stellen. Die dich verändern. Die das Leben anders machen. Besser. Oder eben einfach nur anders. Die vollkommen unerwartet kommen. Manchmal auch unerwartet wieder gehen. Aber können wir das lenken? Oder bilden wir uns nur ein, es lenken zu können? Seid ihr wirklich der Meinung, wir können das steuern?

Was nutzen uns Pläne? Was bringt uns die Vorstellung von etwas? Du kannst dir dein Leben in den schönsten Farben ausmalen. Wozu? Am Ende musst du es nehmen wie es ist. Du musst es leben wie es ist. Auch wenn es nicht das ist, was du dir vorgestellt hast. Wenn es nicht das ist, was du geplant hast. Du musst es so annehmen, wie es gerade auf dich zu kommt. Mit offenen Armen. Offenen Augen. Und mit offenem Herzen. Nur das kann uns glücklich machen.

„Liebe wird aus Mut gemacht.“

Also! Sei mutig. Mach Fehler. Wage Dinge, die unmöglich scheinen. Sag Dinge, die du denkst. Denn du denkst sie. Sag, was du fühlst. Denn so fühlst du. Halte daran fest, was du willst. Akzeptiere kein Nein. Nimm das an, was auf dich zu kommt. Gib niemals auf. Gib nicht klein bei. Steh auf. Steh auf und nimm es. Sag, was du willst. Sag es laut. Probier es aus. Spring über deinen Schatten. Nimm nicht den einfachen Weg. Nimm den, der ein paar Abenteuer bereit hält. Was uns etwas bedeutet, wird immer zu uns zurück kommen. Was uns sucht, wird uns finden. Was uns gehören soll, wird uns immer gehören. Vertrau darauf.

„Gib mir die Hand…“

Trau dich! Spring! Lass dich fallen.

„…irgendwie…irgendwo…irgendwann“

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Wenn das Richtige…

…sich falsch anfühlt. Und das Falsche auch nicht richtig ist.

Wenn nichts klar ist. Jeder Gedanke etwas komplizierter macht. Komplizierter als es ohnehin schon ist.

Wenn der Kopf eine deutliche Sprache spricht. Und doch das Herz rebelliert. Wenn der Wille zu groß ist. Oder zu klein.

Wenn du Angst hast. Zweifel. Dir die Worte fehlen.

Wenn du nicht festhalten kannst. Aber erst recht nicht loslassen.

Wenn alles so einfach sein könnte. Und doch nicht ist.

Dann… Ja was dann?

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Denken – Fühlen – Denken

„Wir fühlen zu viel, wo wir denken sollten – und denken zu viel, wo wir fühlen sollten.“

Doch wer zu oft verletzt und enttäuscht wurde, verliert vielleicht das richtige Gefühl. Es fällt schwer, sich einfach fallen zu lassen. Sich einem Gefühl hin zu geben. Bedingungslos. Ohne nachzudenken. Zu oft ist man hart gefallen. Zu oft gescheitert. Zu oft alleine eingeschlafen.

Und deshalb denken wir. Ist es richtig? Ist es gut? Kann das funktionieren? Wie soll das gehen? Wohin führt es? Will ich das? Kann ich das? Sollte ich? Darf ich? Ja? Nein?

Ist es nicht an der Zeit, sich dem hinzugeben, was man fühlt? Mit geschlossenen Augen. Und offenem Herzen. Kompromisslos? Auch wenn wir nicht wissen, wohin es führt. Die Gefühle nicht ordnen können. Wir müssen es wagen. Um diese eine Person zu finden. Die deine Hand nimmt. Dich umarmt. Und nie mehr loslassen wird. Ganz egal, wer es ist.

Manchmal müssen wir handeln…ohne zu denken…wo wir nur fühlen müssen…

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